Teil 3: Schwerer Stuhlgang
"Wir sind eine Band mit Persönlichkeit und brauchen uns
dafür nicht zu entschuldigen", erklärte Greg Lake,
als die Band nach 14 Jahren Abwesenheit im Jahre 1992 mit dem Album
Black Moon ein Comeback
startete. Bereits im Jahr 1987 hatten sich Keith
Emerson, Greg Lake und Carl
Palmer zu Sessions getroffen, die aber unergiebig blieben. Vielmehr
verkrachten sich Emerson und Lake bereits erneut während der
Proben.
Beim zweiten Anlauf im Jahre 1991 war angeblich nur geplant, die
Auftragsarbeit für eine Filmmusik zu komponieren. Doch die
drei Mitglieder rauften sich bei den Aufnahmen wieder zusammen,
weil die neu gegründete Plattenfirma Victory großes Interesse
an einem ELP-Comeback signalisierte. Als Produzent von Black
Moon saß Mark Mancina im Sessel, der später
unter anderem die Soundtracks für Blockbusterfilme wie "Speed"
und "Twister" und komponierte.
Die Musik auf Black Moon klang
moderat modern. Zum erstenmal konnte die Band neue Technologien
wie Computersoftware und MIDI einsetzen. Mit diesen neuen Werkzeugen
fabrizierte ELP beispielsweise Softrockversionen von Prokofiefs
"Romeo und Juliet" und beim Titelsong keyboardlastigen
Stampf-Rock. Den Rest bildeten Lake-Balladen, kommerzielle Popsongs
sowie ein Klaviersolo von Keith Emerson.
Die 90er- Jahre waren durchweg schwierig für Bands wie ELP.
Der Pathostrock, wie ihn Yes, Genesis und eben auch ELP in den 70er-
Jahren massenkompatibel zelebriert hatten, war vollkommen aus der
Mode. Entsprechend zurückhaltend war die Resonanz bei Kritikern
und Käufern.
Trotzdem kam die Promotionsmaschinerie wieder ans Laufen. ELP waren
beispielsweise zu Gast in Thomas Gottschalks TV-Show "Wetten
dass", bei dem das Trio den Titelsong fast in voller Länge
präsentieren durfte. Obwohl von Gottschalk enthusiastisch angekündigt
("Zu dieser Musik habe ich früher getanzt") zeigte
sich das anwesende Publikum eher ratlos. Auch in den internationalen
Charts war das Werk kaum vertreten.

ELP is back in Verona 1992. (Foto: Richard Kneubühler)
Die anschließende Welttournee wurde dennoch ein Erfolg. Frühere
Anhänger dürsteten nach den alten Klassikern und bereiteten
dem Trio bei den Konzerten einen enthusiatischen Empfang. Dennoch
fehlte den Auftritten auch aufgrund des fortgeschrittenen Alters
der Protagonisten ein wenig die frühere Magie, Dynamik und
Ausdruckskraft.
Von den Konzerten wurde im Januar 1993 der Mitschnitt Live
At The Royal Albert Hall veröffentlicht. Im November des
gleichen Jahres brachte die Plattenfirma die 4-CD-Box
Return Of The Manticore auf den Markt, die alte Tracks von ELP
und Neubearbeitungen alter Nice, King
Crimson und Arthur Brown enthielt. Dazu
gab es Neuversionen von ELP-Oldies wie "Pictures At An Exhibition"
und "I Believe In Father Christmas", die mit Dolby-Surround
und Gospelchor aufgepeppt wurden.

Der Mann vor dem Moog. Keith Emerson 1992 mit ELP-Käppchen.
(Foto: Richard Kneubühler)
Im September 1994 erschien dann mit In
the Hot Seat unter sehr ungünstigen Umständen eine
neue Studioproduktion. Bereits bei der vorangegangenen Tournee verschlimmerten
sich Emersons Armschmerzen. Der Keyboarder musste sich einer komplizierten
Operation unterziehen, was ihn anschließend beim Spielen stark
einschränkte. Zudem ließen sich die drei einstmals "sehr
selbstbewußten Individuen", wie schon bei Love
Beach, von der finanziell angeschlagenen Plattenfirma unter
Druck setzen, ein kommerzielles Album abzuliefern. Produzent Keith
Olsen verpaßte dem Trio ein stromlinienförmiges Klangkorsett,
bei dem kaum noch etwas an ELP erinnerte.
Die Platte wurde verkaufsmäßig ein völliger Reinfall.
Wegen Emersons Rekonvaleszenz und interner Zwistigkeiten konnte
keine Tournee gestartet werden. Zwei Jahre herrschte wieder Ruhe
um das Trio. 1996 begab sich das Trio als Anheizer für Jethro
Tull zu einigen US-Gigs. Diese Auftritte wie auch andere mit Dream
Theater und Deep Purple offenbarten bis zum Jahr 1998 jedoch eher
den künstlerischen Niedergang von ELP.
Vor den geplanten Aufnahmen für ein neues Studioalbum verkrachten
sich ELP im Dezember 1998 erneut. Greg Lake
beanspruchte die Produzententätigkeit , womit sich
Keith Emerson und Carl Palmer
nicht einverstanden waren. Die Band trennte sich erneut.
Ein geplantes Comeback im Jahre 2009 scheiterte wegen Emersons
Handproblemen.
Dafür spielten Emerson,. Lake & Palmer am 25. Juli 2010
beim High-Voltage-Festival
Emerson,
Lake & Palmer High Voltage auf YouTube
Die Setliste bestand aus den folgtenden Werken:
1.Karn Evil 9 First Impression (Part2)
2.Barbarian
3.Bitches Crystal
4.Knife Edge
5.From The Beginning
6.Touch and Go
7.Take a Pebble/Tarkus
8.AquaTarkus
9.Farewell To Arms
10.Lucky Man
11.Pictures At An Exhibition Medley
Zugabe:
12.Fanfare for the Common Man
© Bernd Franco Hoffmann (Letztes Update 23. August 2010)
Quellen:
Edward Macan: Endless Enigma: A Musial Biography Of Emerson, Lake
& Palmer
George Forrester, Martyn Hanson, Frank Askew: The Show That Never
Ends: A Musical Biography
Keith Emerson: Pictures Of An Exhibitionist
www.emersonlakepalmer.com
www.greglake.com
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