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EMERSON, LAKE & PALMER — Kurzbiografie 1977-79

1970-1974
1977-1979
ELP-Bio 1970-1998

Teil 2: Schiffbruch am Liebesstrand

Als sich Emerson, Lake & Palmer nach einer zweieinhalbjährigen Ruhepause im Frühjahr 1977 mit dem aufwendig gestalteten Doppelalbum Works Volume 1 zurückmeldeten, war der so genannte "Symphonic-Rock", mit dem die Band assoziiert wurde, bei Kritikern und einer stetig wachsenden Anzahl von Hörern bereits in Mißkredit geraten.

Bands wie Pink Floyd, Yes und ELP befanden sich im Visier der seit dem Jahre 1976 immer stärker werdenden Punk- und New Wave-Bewegung. Journalisten warfen ELP wiederholt vor, durch bombastische Shows und überambitionierte Musik den Kontakt zum Publikum verloren zu haben. Das erfolgsverwöhnte Trio gab sich von den Vorwürfen unbeeindruckt und setzten ihrer Bombastattitüde vielmehr die Krone auf: Die Kompositionen auf Works Vol. 1 wurden fast durchweg von einem Sinfonieorchester begleitet. Works Vol. 1 war allerdings weniger ein Bandprodukt als vielmehr eine Zusammenfassung der solistischen Aktivitäten von Emerson, Lake & Palmer, die eigentlich für die angekündigten, aber bis dato nicht erschienen Soloprojekte gedacht waren.

Works Vol. 1 war auf der einen Seite ein durchaus bemerkenswerter Versuch, dem Gruppensound neue Impulse zu verleihen. Andererseits wirkte die Band nach der mehrjährigen Pause etwas orientierungslos. Die Kritiken zum Album fielen verhalten bis vernichtend aus. Die Fans wandten sich aufgrund der unerwarteten Musikmixtur allmählich ab, so daß Works Vol. 1 nicht mehr die Spitze der internationalen Verkaufscharts erreichte. ELP sah sich plötzlich mit einem veränderten Publikumsgeschmack konfrontiert, der ihnen langsam das Wasser abzugraben drohte.


Auch Emersons Orgeleskapaden konnten den Absturz von ELP nicht mehr stoppen. (Foto: Richard Kneubühler)

Dennoch rüstete das Trio erneut zu einer gigantischen Welttournee. Als erste Rockband nahmen sie ein 70-köpfiges Orchester plus Chor mit auf die Reise, um den sinfonischen Charakter des Works-Albums auch auf der Konzertbühne zu ermöglichen. Der Kostenaufwand mit 63 Roadies und 250 Tonnen Equipment, das mit acht Sattelschleppern durch die USA kutschiert wurde war, enorm. Vor dem ersten Konzert am 24. Mai 1977 in Louisvolle, Kentucky waren schon eine Million Dollar in das riskante Unternehmen investiert worden.

Dabei schlugen auch die persönlichen Extravaganzen der drei Herren zu Buche: Emerson nahm kistenweise teuren Champagner und exklusiven Burgunderwein mit auf Reisen, Lake leistete sich einen eigenen Luxusbus mit allen Extras und Palmer nahm die Dienste eines persönlichen Karatetrainers in Anspruch.

Die Show wurde zunächst von der Presse enthusiastisch gelobt. Die NEW YORK TIMES schrieb vom "lautesten, aber auch klangschönsten Symphonieorchster der Welt" und die LA-PRESSE aus Montreal schwärmte: "Wenn sie aus diesem Konzert herauskommen, werden sie kein Wort mehr über Pink Floyd verlieren."

Drei Konzertabsagen in Tampa, Cleveland und Pittsburg, die hohen Kosten und eine teilweise bescheidene Besucherresonanz während der US-Tournee brachten ELP, die viel von ihrem Privatvermögen investiert hatten, aber schnell in finanzielle Schwierigkeiten. Die Konzerttermine musste schließlich radikal zusammengestrichen werden.


Letzte Funken aus dem Ribbon Controller. (Foto: Kent Crantwell)

Um die hohen Kosten zu minimieren und die immensen Schulden abzutragen, setzte ELP die Tournee ab Mitte Juni zumeist als Trio fort. Geplante Konzerte in Asien und Europa wurden nicht mehr verwirklicht. Die im November 1977 veröffentlichte Platte Works Volume 2 mutete wie eine Resteverwertung an und floppte fürchterlich.

Die einstige Supergruppe der siebziger Jahre verschwand in Rekordzeit aus dem öffentlichen Interesse. ELP galten in den Zeiten von Punk und "Saturday Night Fever" als musikalischer Anachronismus. Noch gab sich das Triumvirat aber nicht geschlagen. Im November 1978 veröffentlichten sie auf Druck der Plattenfirma das Album Love Beach.

Doch das Trio hatte sich am Aufnahmeort Nassau auf den Bahamas völlig zerstritten und nahm Teile des Albums separat auf. Love Beach entpuppte sich kommerziell als völliger Mißerfolg. Von Öffentlichkeit und Presse kaum wahrgenommen, trennte sich das Trio dann Ende 1979 offiziell, allerdings nicht ohne den miserablen Konzertmitschnitt ihrer 1977/78er-Tour namens In Concert auf den Markt zu werfen. Wolfgang Bauduin bezeichnete diese Platte im MUSIK-EXPRESS sarkastisch als musikalischen "Aprilscherz". In nur zwei Jahren war aus dem einst schlagzeilenträchtigen Namen "Emerson, Lake & Palmer" eine unauffällige Randnotiz geworden.

Fortsetzung

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