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EMERSON, LAKE & PALMER  —  Emerson, Lake & Powell

Emerson, Lake & Powell-Story Cozy Powells Tourtagebuch
EMERSON. LAKE & PALMER — Emerson, Lake & Powell
Besetzung: Allgemeine Fakten:
Keith Emerson: Keyboards  
Greg Lake: Bass, Gitarre, Gesang Gegründet: 1985
Cozy Powell: Drums, Percussion Aufgelöst: 1987

Hintergrund-Story:

Die Sache mit dem "P"

Wir schreiben das Jahr 1984. Die solistischen Ausflüge von Keith Emerson und Greg Lake verliefen im Vergleich zu einstigen ELP-Zeiten kommerziell wenig erfolgreich. Keith Emerson wartete nach dem Nighthawks-Soundtrack vergeblich auf einen zweiten Anruf aus Hollywood. Stattdessen arbeitete er verstärkt für mehrere Low-Budget-Regisseure, darunter auch für den berühmt-berüchtigten Lucio Fulcio ("Ein Zombie hing am Glockenseil").

Emerson schickte 1984 ein paar Demos zur Plattenfirma Polygram. Deren Vertreter schlugen Emerson vor, Greg Lake dazu singen zu lassen, der nach seinem kurzen Gastspiel bei Asia ebenfalls wieder allein auf weiter Flur stand. Obwohl das Verhältnis der ehemaligen Bandkollegen seit dem Ende von ELP getrübt war, kamen die Beiden zu der Übereinkunft, dass Lake zu den Songs singen und ein paar Basslinien spielen sollte; eine Tour war zu diesem Zeitpunkt nicht geplant. Die Plattenfirma war so beeindruckt von dem Ergebniss, dass sie Emerson und Lake umgehend einen Bandvertrag anboten. Nun musste allerdings noch ein Drummer gefunden werden.

Weil Carl Palmer zu diesem Zeitpunkt auf eine Fortsetzung der Asia-Erfolgsstory hoffte, stand der einstige Mitstreiter für das geplante Comeback nicht zur Verfügung. Gerüchte verdichteten sich, dass Emerson und Lake dringend einen Drummer mit dem Nachnamen P suchten, um das alte erfolgsversprechende Logo wieder verwenden zu können.

Als mögliche Kandidaten wurden zu diesem Zeitpunkt u. a. Neil Peart vom kanadischen Prog-Rock-Trio Rush sowie der profilierte Studioschlagzeuger Simon Phillips gehandelt. Zwar behauptete Lake in einem Interview, dass der Nachname keine Rolle spielte und man die Band notfalls auch Emerson, Lake & Smith genannt hätte, aber im MUSIK-EXPRESS war von Keith Emerson zu lesen: "Wir brauchten unbedingt einen Drummer mit dem Nachnamen P."

Schließlich fiel die Wahl auf den alten Emerson-Kumpel Cozy Powell (geboren als Colin Flooks am 29. Dezember 1947 in Cirencester) , der sich zuvor als Solist, Studiomusiker und Bandmitglied u. a. bei Bands wie Rainbow, Michael Schenker Group und Whitesnake einen Ruf als versierter Drummer ertrommelt hatte. Powell träumte davon, endlich unter eigenem Namen eine Weltkarriere zu machen. Jetzt konnte sich das Projekt zugkräftig ELP (Emerson, Lake & Powell) nennen und ab 1985 intensiv mit den Proben beginnen.

Das im Sommer 1986 veröffentlichte Album Emerson, Lake & Powell erschien in manchen Ländern, unter anderem auch in Deutschland, nur als Import, was eine Chartnotierung von vornherein verhinderte. Emerson, Lake & Powell boten auf ihrer Platte den bekannten, leicht modernisierten Bombastsound, der bei vielen Musik-Journalisten längst verpönt war, aber unter den Rockfans immer noch treue Anhänger besaß. Die deutsche Musikpresse zeigte für die Bemühungen der drei Herrschaften wenig Begeisterung. Immerhin kürte der damals schon sehr populäre ZDF-Moderator Thomas Gottschalk ("Mit Powell klingt es jetzt rockiger.") das Album in der TV-Zeitung HÖRZU zu seiner Lieblingsplatte.

In Europa war das Interesse an dem Comeback gering, aber in den USA gelangte das Album in höhere Chartregionen und verkaufte dort immerhin rund 350.000 Einheiten. Mit "Touch & Go" verbuchte das Trio in den USA sogar einen kleinen Hit und Kanada erreichte das Album Gold-Status. Bei Interviews gaben sich die drei Beteiligten entwaffnend ehrlich bis zur Anmaßung. "Willst Du wirklich wissen, was der eigentliche Grund für diese Reunion ist? Nun, wir wollen ganz einfach Geld verdienen. Und zwar möglichst viel", erzählte Keith Emerson unverblümt dem deutschen Journalisten Edgar Klüsener.

Die anschließende USA-Tournee, die mit einigem technischen Aufwand realisiert wurde, entwickelte sich für die "lebenden Fossilien" (HEAVY METAL) zu einem durchwachsenen Ereignis. Musikalisch stellten Emerson und Lake mit Powell unter Beweis, dass sie nichts von ihrem Können eingebüßt hatten. Doch oftmals spielte das Trio in halbleeren Hallen.

Bitter verlief der Auftritt am 23. August 1986 in San Antonio (Texas). Während ELP dort vor rund 3000 Zuschauern spielten, waren es einen Tag zuvor bei ZZ Top über 15.000 Besucher gewesen. "Es grenzt schon an Frechheit, wenn eine derart simple Band soviel mehr Leute zieht als wir", kommentierte ein verärgerter Emerson das mangelnde Interesse. Sieben Shows wurden anschließend wegen schwacher Kartenverkäufe gleich ganz abgesagt.

Ein weiterer Tiefpunkt war die Show am 30. September in Lexington, Kentucky. In der rund 23.000 Zuschauer fassenden Rupp-Arena verloren sich gerade mal 800 Besucher. Die so hoffnungsvoll gestartete US-Tour entpuppte sich am Ende für die Band zu einer finanziellen Pleite. Dabei war man schon vor dem Tourstart aufgrund der hohen Investitionen mit 400.000 Dollar verschuldet gewesen. Zudem gerieten die Streithähne Emerson und Lake während der Tour immer wieder aneinander.
Als das Trio mit ein paar hundert Pfund in der Tasche nach England zurückkehrte, war dieser Versuch, das Kürzel ELP in die 1980iger zu transportieren, unwiderruflich gescheitert. Ein zweites Album wurde zwar noch diskutiert, aber nicht mehr realisiert. In den Zeiten des Hochglanz-Pop hatte das Trio eigentlich nie eine echte Chance gehabt.

Keith Emerson schloss sich kurz danach 3 an, während man von Greg Lake bis zur Emerson, Lake & Palmer -Reunion im Jahre 1992 nichts mehr vernahm. Cozy Powell, der anschließend noch für Bands und Interpreten wie Gary Moore, Brian May und Black Sabbath hinter dem Schlagzeug saß, starb am 5. April 1998 bei einem Autounfall mit seinem Saab 9000. Er war nach einem BBC-Bericht angetrunken und nicht angeschnallt. Zuvor hatte er an seinem Mobiltelefon mit seiner Freundin Sharon Reeve telefoniert. Nach Auskunft Sharon Reeves waren Powells letzte Worte: "Oh Scheiße"... dann folgte Stille.

© Bernd F. Hoffmann

Quellen:
Edward Macan: Endless Enigma: A Musial Biography Of Emerson, Lake & Palmer
Zeitschrift Heavy Metal
George Forrester, Martyn Hanson, Frank Askew: The Show That Never Ends: A Musical Biograph

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