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Der deutsche Ableger des britischen SOUNDS wurde in der Bundesrepublik
1967 vom Journalisten Rainer Blome ins Leben gerufen. In den ersten
zwei Jahren lag der Schwerpunkt auf Free-Jazz, ab 1968 wurde dann
auch über Frank Zappa, Captain Beefheart und Soft Machine berichtet.
Das Blatt widmete sich dann in den siebziger Jahren auch dem Progressive
Rock und gehörte zusammen mit dem MUSIK-EXPRESS, zu den führenden
Musikzeitschriften. Ende der siebziger Jahre betrug die Auflage
nach eigenen Angaben immerhin 43.000, der MUSIK-EXPRESS besaß
sogar 121.000 treue Leser.
Ab 1978 verlagerte sich der Schwerpunkt allmählich auf
Punk- und New-Wave-Musik. Das war der Anfang vom Ende. Unter der
Führung von Diedrich Diederichsen verlor die Zeitschrift immer
mehr an Auflage und wurde 1983 von dem Schweizer Verleger Jürgen
Marquard zusammen mit dem MUSIK-EXPRESS aufgekauft. Ab jetzt hieß
das Blatt MUSIK-EXPRESS/SOUNDS und war inhaltlich weitgehend vom
traditionellen Musik- und Journalismusverständnis des MUSIK-EXPRESS
bestimmt.
Der SOUNDS hatte für Progressive-Bands wie Yes, Genesis
und Gentle Giant zunächst immer ein offenes Ohr. Nur mit ELP
hatten die Schreiber, gelinde gesagt, wohl ihre (erheblichen) Probleme.
Aber lest selbst die folgenden Plattenkritiken zwischen 1971-1977.
Vielmehr wird Euch Lesen und Sehen vergehen.
Pictures At An Exhibition oder "Die kleinen Pop-Karjajans"
Der niedrige Preis ist noch das Erfreulichste an dieser Platte.
Ansonsten spielen hier drei Musiker,
die sich wie kleine Pop-Karajans vorkommen. ihre Virtuosität
ist gerade mit soviel Nonkonformismus
(Emerson's Moog-Ausbrüche beispielsweise) ausgestattet, daß
die Musik auch jene mit dem Musikgeschmack von gestern nicht abstößt.
Totale Perfektionisten sind hier am Werk, alles ist immer und überall
unter Kontrolle, daß selbst die "freiesten" Stellen
berechnet klingen.
Greg Lake (der übrigens auch die ELP-Platten produziert) hat
es geschickt verstanden, Keith Emerson, die Führung der Gruppe
aus den Händen zu reißen. Emerson, der bislang immmer
daran gewöhnt war, bloße Bgleitmusiker neben sich zu
haben, sieht sich nun zwei ebenbürtigen Partnern gegenüber.
PICTURES OF AN EXIBBITION (sic!) kann man getrost jener Plattenkategorie
einordnen, der auch (allerdings auf einem anderen Gebiet) die zeitgenössischen
Opernwerke eines Hans-Werner Henze angehören.
Verfasser unbekannt
Trilogy oder "Eine öde Leere durchzieht den Sound"
ELP ist schon eine zwiespältig wirkende Gruppe; daran ändert
auch ihre vierte LP nichts, eher ganz im Gegenteil. Da ist einer
die ungeheure Cleverness, mit der die Musik dargebracht , da ist
die Perfektion, was Wohlklang und Schönheit des Sounds anbelangt,
da ist die totale Beherrschung der Instrumente, da sind potentiell
interessante Kompositionen, da ist großer musikalischer Geschmack
und schließlich die Fähigkeit des "Aufmöbelns"
von klassischer Musik.
Doch da ist auch der geringe oder sogar völlig fehlende Swing,
die Musik glänzt in kaltem, prachtvollem Chromglanz, alles
wirkt irgendwie konstruiert, nicht von innen kommend, verstandesbedingt,
wo gefühlsmäßiges Engament erwartet wird. Vor der
Musik von ELP hat man Respekt, aber man empfindet keine wirkliche
Sympathie für sie. Sie ist in der bloßen Repräsentation
einer Über-Technik erstarrt. Perfektion ohne Leben. Man spürt,
daß die Gruppe nicht das leistet, was sie eigentlich könnte,
und merkt gleichzeitig, daß sie in gewisser Weise schon am
Endpunkt ihres Schaffens angekommen ist. TRILOGY ist technisch vollkommen,
aber eine öde Leere durchzieht den Sound.
Welches Publikum spricht ELP an? Ein Publikum, das einerseits "avantgardistische"
Klänge will, andererseits aber harmonisch schöne Musik.
ELP packt da tüchtig zu. Keith Emerson spielt auf dem Moog
Klänge, die Progressivität einem staunenden Volk schmackhaft
machen sollen, aber er bleibt derart innerhalb bestimmter Grenzen,
daß jeder Snob ihm zustimmen kann. Bestimmt würde ihm
kein "Mißton" unterlaufen, dafür ist er viel
zu beherrscht und auf "Schönspielen" bedacht. Greg
Lake als Sänger, Gitarrist und Bassist steht ihm da überhaupt
nicht nach, und Schlagzeuger Carl Palmer natürlich auch nicht.
Sie eröffnen ihre LP mit "The Endless Enigma", einem
Stück, in dem Lakes kultivierter Gesangsstil besonders im Vordergrund
steht. Das Stück wird unterbrochen durch ein technisch brillantes
Pianosolo von Keith Emerson und geht dann im bisherigen Stil weiter.
"From The Beginning" ist eine recht gut gelungene Ballade
mit viel akustischer Gitarre und Soli der elektrischen Gitarre und
des Moog. "The Sheriff" ist ebenso rockig wie langweilig
und farblos, das schwächste Stück dieser Seite. "Hoedown"
ist eine Adaption eines Musikstückes des Komponisten Aaron
Copeland, mit dem Emerson seiner Vorliebe für Themen aus der
E-Musik frönt. Obwohl er sein "volles Instrumentarium"
einsetzt und einige Dynamik entwickelt, bleibt das Resultat unbefriedigend.
Die zweite Seite beginnt "Trilogy", einem Stück,
in dem die ganze Gruppe ihre ganze virtuose Technik ausspielt. "Living
Sin" ist der absolute Verlust dieser Seite, mehr ist dazu nicht
zu sagen. "Abbadon's Bolero" ist dagegen am interessantesten.
Wie schon im Titel angedeutet, gibt es wegen der langsamen Steigerung
des musikalischen Ablaufs Parallelen zu Ravels "Bolero".
Mitunter erinnert der Sound dieser Komposition auch an die Filmmusiken
von Ennioi Morricone. Trotz vieler Mängel meiner Meinung noch
die bislang beste ELP-Platte. Welchen Stellenwert man dem beizumessen
hat, mag allerdings jeder für sich selbst entscheiden.
Hans-Jürgen Günther
Welcome Back My Friends oder "Der große Emerson wütet"
Und wieder wütet der große Emerson über die Tasten.
Auch wer die egozentrischen Spielereien des begnadeten Virtuosen
immer noch für eine Offenbarung hält, dem sei vor diesem
sechsseitigen Live-Album gewarnt: Es enthält nichts, was nicht
nicht schon zuvor auf Studio-LP´s veröffentlicht wurde.
(was nicht stimmt, siehe Piano-Improvisation, BFH)
Verfasser unbekannt
Works Volume 1 oder"Nietzsche meets Micky Maus"
Da sind sie also wieder, die Übermenschen, nach drei Jahren
Pause. Die Phase der übermütigen jugendächen Heldentaten
scheint abgeschlossen: das Trio will keine feuerspeienden Ungeheuer
mehr auf der Bühne besiegen oder Laserstrahigewitter entfachen,
und Keith Emerson hat auch seine Halbgottuniform, Stlrichtung "Herrscher
des 23. Spiralnebels" abgelegt. Offensichtlich wähnen
die Herren, nunmehr ins Stadium der Reife getreten zu sein, denn
sie nennen ihr neues Doppelalbum abgeklärt-erhaben WORKS. Der
Untertitel "Volume 1" läßt befürchten,
daß weitere Werke folgen sollen. Und eine Hörprobe stellt
klar, daß hirn- und herzlose Allmachtsphantastereien sich
auch in der Pose klassischer Eriesenheit darstellen lassen. Nietzsehe
meets Micky Maus, Wagner goes Disneyland.
Ob Emerson zu den Klängen des London Philharmonic Orchestra
den Steinway-Flügel behämmert (Keith Emerson, Piano Concerto
No. 1", was denn sonst), ob Lake eine Dylan-Kopie ins Stahlkorsett
zwängt, ob die beiden mit Palmer zusammen eine schicksalsschwangere
Piratensage zelebrieren: immer läuft das unter dem krankhaften
Zwang, mit einer metallenen, kalten, unmenschlichen Stärke
zu protzen. Ohne Pause, ohne Erholung, ohne auch nur eine Sekunde
Gefühl, Freundlichkeit, Liebe.
Erzähl' mir keiner, das sei eben deren Stil, und nach einer
solchen Platte könne man sich ja zum Ausgleich, sagen wir,
etwas Traumhaft-Versponnenes zu Gemüte führen. Nein, was
ELP hier treiben, ist kein Stil, sondern ein geschlossenes System
von Größenwahn. Dieser Wahn vereinnahmt alle möglichen
Stilrichtungen und unterjocht sie dieser faden, leeren, langweiligen
Kraftmeierei.
Jürgen Frey
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