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Teil 2: Triumvirat - Ein "Schwachsinn" erobert Amerika

Mitglieder u. a. : Allgemeine Fakten:
Jürgen Fritz: Keyboards Gegründet: 1968
Jürgen Köllen: Bass, Gesang Aufgelöst: 1980
Hans Bathelt: Drums. Perkussion  
Barry Palmer: Gesang  
David Hanselmann: Gesang  

Wenn es in den 70er-Jahren eine deutsche Band gab, die sich besonders stark an The Nice und Emerson, Lake & Palmer orientierte und sich dennoch ein gewisse Eigenständigkeit bewahrte, dann waren das Triumvirat. Mit den Platten "Illusions On A Double Dimple" und "Spartacus" landete die Kölner Band Anfang der 70er sogar hoch in den US-amerikanischen Charts.

Der in Leverkusen geborene Jürgen Fritz begann bereits im Alter von sieben Jahren mit dem Akkordeon-Unterricht. Durch den berühmten Jazzdrummer Buddy Rich fing Fritz dann auch an, sich für das Schlagzeug zu interessieren, denn Akkordeon war ihm nach eigener Aussage auf Dauer "zu sehr Hans Albers".
Mit elf Jahren bekam Fritz dann ein Schlagzeug geschenkt und fing an, in Bands zu spielen.

Jürgen Fritz: "Ich war allerdings kein besonders guter Trommler. Und es ergab sich dann irgendwann auf irgendeiner Session, dass da so eine kleine Orgel stand, so ne` Philicordia, ich erinnere mich genau. Ich war als Schlagzeuger in der Session nicht gefragt und ich setzte mich dann an die Orgel. Die kannten mich ja als Schlagzeuger und haben gedacht, ob ich spinne. Das war im Jugendzentrum "Paasweg" in Bergisch Gladbach an einem Samstagabend. Da schlug dann meine Organistenstunde. Wir spielten, glaube ich, irgendwas von den Small Faces oder so. Und dass klappte dann ganz gut. Die Tastatur auf dem Akkordeon war ja so ähnlich wie auf dem Piano."

Fritz nahm dann jahrelang Klavierunterricht und übte nach eigenen Bekenntnis oft sechs Stunden "wie ein Wahnsinniger". Zusammen mit dem Schlagzeuger Hans Bathelt und dem Bassisten Dick Frangenberg gründete Fritz 1968 dann die Band Triumvirat. Die Idee zu diesem Gruppennamen stammte von Frangenberg, wie Fritz berichtete: "Frangenberg war ein paar Jahre älter als wir, besaß das große Latinum und verfügte über diese lateinischen Weisheiten. Ja klar, Dreierbesetzung: Triumvirat! Das war vielleicht nicht der hipste Namen, aber es war auf jeden Fall markant."

Fritz besuchte nach dem Abitur das Konservatorium, um Klavier und Komposition zu studieren. Anfang der 70er-Jahre erhielt die Band durch den Schlagerproduzenten Rainer Pietsch (u. a. Michael Holm) bei der EMI Electrola einen Plattenvertrag. Das im Jahre 1972 veröffentlichte erste Album "Mediterranean Tales" ging trotz einiger gelungener Tracks ziemlich unter und die Band stand bei ihrer Plattenfirma schon wieder auf der Abschussliste.

Für Frangenberg war inzwischen der Sänger, Gitarrist und Bassist Helmut Köllen — ein ehemaliger Autorennfahrer! — in die Band gekommen. Das nächste Album produzierte Fritz dann selbst und strapazierte damit empfindlich die Nerven der Plattenbosse. Die Band experimentierte mit ausgedehnten Orchester- und Chorpassagen, was natürlich viel Zeit und Geld kostete.
Jürgen Fritz: "Das hat alles die Electrola bezahlt. Das lief unter Produktionskosten, die damals exorbitant hoch waren. Damals war ich ja verantwortlicher Produzent und irgendwann wurde ich in die Chefetage zitiert, wo die Herren zu mir sagten: Werden Sie endlich fertig, sie blockieren mit ihrem Schwachsinn unsere Erfolgsproduktionen."

Der "Schwachsinn" lautete dann "Illusions On A Double Dimple". Das Album kletterte im Sommer 1974 in den USA-Charts bis auf Platz 32. "Was aber noch viel wichtiger war: Wir waren im Radio-Airplay von FM sechs Wochen die Nummer 1", erinnert sich Fritz. Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die stark am Klassik-Rock orientierte Platte praktisch nur aus zwei jeweils durchgehenden Tracks besteht.
Doch der Triumviratsound, ein gelungener Mix aus ELP-, The Nice- und einfachen Song -Elementen, kam im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" bestens an. Das renommierte Musikmagazin ROLLING STONE verglich das Album mit "Tarkus" von ELP und die Platte setzte damals rund 200.000 verkauften Einheite ab — geradezu sensationell für eine deutsche Band.

Triumvirat
Die erfolgreichste Triumviratformation: Hans Bathelt (v.l.), Jürgen Fritz und Helmut Köllen.
Fotoquelle: triumvirat.net

Das Jugendmagazin BRAVO bezeichnete Triumvirat bereits als "absolute Sensationsband". Es folgten fette Jahre mit hohen Chartplatzierungen und Tourneen mit Supertramp, Fleetwood Mac sowie Grand Funk Railroad. Die Band konnte mit den Alben "Spartacus" (Top 30 in den USA) und "Old Loves Die Hard" (Platz 1 in Portugal) nahtlos an den Erfolg von "Illusions" anknüpfen.
Das ambitionierte Konzeptalbum "Pompeji" unter anderem mit Curt Cress am Schlagzeug lehnte sich im Jahre 1977 noch einmal sehr stark an ELP an. Der Nachfolger "A la carte" präsentierte dann mit dem neuen Sänger David Hanselmann — trotz eines enormen Aufwandes an Mensch und Material — hingegen nur noch musikalische Magerkost. Nach dieser Enttäuschung ließ das allgemeine Interesse an der Band allmählich nach.

Das letzte, auffallend poplastige, Album namens "Russian Roulette" mit Arno Steffen am Mikro und berühmten Studiomusikern wie Steve Lukather und Jeff Porcaro, weckte Anfang der 80er-Jahre im Zeitalter von Disco und Post-Punk nur noch wenig Interesse. Die Band, bei der sich in den letzten Jahren das Personalkarussell immer heftiger drehte, ging dann nach einer letzten Tournee sang- und klanglos auseinander. Von den Gründungsmitgliedern war am Ende nur noch Fritz übrig geblieben.

Der hochbegbate Hauptkomponist Fritz machte sich anschließend unter anderem als Produzent von Gänsehaut ("Karl der Käfer") und Peter Hofmann einen Namen. Das 2002 angekündigte Comebackalbum namens "The Website Story" harrt bis heute der Veröffentlichung.

Die ersten drei Platten von Triumvirat klingen auch heute noch frisch, dynamisch und ideenreich. Sie sollten bei keinem ELP- und Progrock-Fan im Plattenschrank fehlen. Der technisch äußerst versierte Jürgen Fritz steht dem großen Vorbild Keith Emerson zumindest in Sachen Virtuosität in fast nichts nach.

Der Artikel basiert u. a. auf einem längeren Interview mit Jürgen Fritz ca. im Frühjahr 2004.

©Bernd Franco Hoffmann

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Erscheinungsjahr

Mediterranean Tales

 

Platteninfos folgen

1972

Illusions On A Double Dimple

Platteninfos folgen

1973

Spartacus

Platteninfos folgen

1974
     

 

 

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