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EMERSON, LAKE & PALMER  — ELP in Japan

ELP in Japan

ELP "BIG IN JAPAN"

Bericht im Musikmagazin SOUNDS vom Februar 1973

von Alexander Frater

über die Japan-Tournee von
Emerson, Lake & Palmer

Konzertstationen:
22. Juli 1972: Kourakuen Stadion, Tokio
24. Juli 1972: Koshien Stadion, Osaka

 

TEIL 3: Jesus Christus und die 12 Roadies

Promotion ist ein sehr wichtiger Teil des Musikgeschäftes", sagte Young auf dem Weg zurück ins Hotel. Und ELP kümmern sich nicht genug darum. Letztes Jahr wollten sie einen Jet chartern, um Hilfsgüter nach Bangla Desh zu schicken. Das hätte ihnen eine Menge Publicity verschafft. Aber dann entschieden sie sich dagegen. Greg sagte, er identifiziere sich nicht mit den Zielen der dortigen Regierung.

Greg Lake: "Ich respektiere High-Level-Dealers"

Greg Lake, der Baßgitarrist, ein kräftiger, rundgesichtiger junger Mann, der sehr auf seinen Vorteil bedacht ist, erholte sich in seiner Suite und sprach über Leute, die er respektiert. "Ich respektiere High-Level-Dealers", sagte er, "Typen wie Prinz Rupert Loewenstein (Rolling-Stones-Manager/Bernd Franco Hoffmann) und Al Oerter (Amerikanischer Olympiasieger im Diskuswerfen/Bernd Franco Hoffmann).

"Ich respektiere auch Muhamed Ali und Bertrand Russell (Philosoph und Pazifist). Meine eigene Philosophie basiert auf der Transformation von Energien. Und auf Jesus Christus, einer der fähigsten Entertainer aller Zeiten. Er machte sich mit seinen zwölf Roadies auf und ein paar von den Sachen, die er brachte, schmeißen einen vom Stuhl. Er war wirklich ein Schwergewicht, ich meine schließlich kommen sie immer noch, um ihn zu sehen, jeden Sonntag, und er tritt nicht mal auf. Ich hätte nichts dagegen, eines Tages selbst mal Jerusalem zu spielen."

Das Fernsehinterview am Sonntagnachmittag ging glatt über die Bühne. Es war die "Live Young Show" mit einer Sehbeteiligung von 14,5 Prozent der Bevölkerung und 50 Prozent der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt. ELP teilten den Auftritt mit zwanzig internationalen Teenager-Schönheitsköniginnen. die erhitzt wirkten und sich nicht wohl zu fühlen schienen.

Saki aus der Bierflasche

Emerson, offensichtlich gelangweilt, trank Saki aus einer Bierflasche und bot ihn Miss Luxemburg an, die nach einem Blick auf ihren Aufpasser ablehnte. Das Interview war kurz und die drei Musiker gaben sich würdevoll. Lake sagte, prinzipiell seien sie alle Rhythmusspieler und Emerson, nach seinen Hobbies befragt, meinte, er versuche gerne seine Oberlippe his zur Nasenspitze hochzuziehen.

Die Japaner nahmen diese Offenbarung mit höflichem Interesse auf, aber Miss Schweiz und Miss Portugal. gerade nicht im Bild, lachten sich tot. Als alles vorbei war, zeigte sich Udo befriedigt. "Es war O.K.", sagte er, "Vielleicht verkauft dieser Auftritt zwei-, vielleicht dreitausend Plätze im Stadion, Vielleicht".

An diesem Abend fuhren Lake und Palmer zum Korakven-Stadion, wo ihr Konzert stattfinden sollte, um Shigeo Nagashima von Tokio Giants, Japans Nationalheld, zu treffen. Udo war nervös, verständlicherweise. Die Presse war zum diesem Treffen eingeladen, aber Emerson hatte sich im letzten Moment für einen ruhigen Abend im Hotel entschieden und sich geweigert, mitzukommen.

Udo führte uns mit einem verzweifelten Schulterzucken in die königliche Loge um Nagashima während des Spiels gegen die Chunichi Dragotts zu beobachten. Lake und Palmer schauten sich das Stadion an, das sie ein paar Tage später mit Musik und, wenn möglich, mit Zuhörern füllen sollten. Die Größe 50.000 Sitzplätze beeindruckte sie nicht sonderlich. Sie haben im Madison Square Garden gespielt und damit verglichen waren das hier kleine Fische.

Kein Emerson, keine Presse

Nach Spiel erschienen zwei Kameraleute, um die Begegnurig aufzuzeichnen und Nagashima, ein großer zurückhaltender Mann, dessen natürliche Höflichkeit etwas von der Tatsache beeinträchtigt wurde, dass er schlecht gespielt halte, machte höfliche aber umständliche Konversation mit Hilfe einer Dolmetscherin.

Nach ein paar Minuten stand er abrupt auf und ging. Udo war nicht glücklich. "Kein Emerson, keine Presse. Nagashima beim zweiten Ball rausgeflogen und wisst ihr, was ich gerade gehört habe? Ein neuer Taifun ist unterwegs." Udo sah plötzlich furchtbar müde aus "Taifun Rita" kommt schnurgerade auf Japan zu und soll am Tage des Konzerts über Tokio sein. Ich glaube, ich gehe nach, Hause und schlafe mal aus.

Der Auftritt in der Radio-Show fand die ungeteilte Zustimmung der Musiker. Eine Gruppe niedlicher, kleiner Kinder war im Studio und der Discjockey bat Emerson, sie am Klavier bei "London Bridge is falling down" zu begleiten, das sie für diese Gelegenheit eingeübt hätten, Emerson gestand verlegen. dass er das Lied nicht kenne, und nach einem peinlichen Schweigen spielte er eine komplizierte Jazznummer. der die Kinder etwas niedergeschlagen und verwirrt zuhörten.

Zur ELP-Pressekonferenz im Perlenraum des Hilton erschienen fast zweihundert Kameraleute und Reporter, hauptsächlich von der Musik-Presse. Udos Leute verteilten Drinks und spielten ELP-Platten über die Hotellautsprecher, während die Minuten vergingen und Udo mit einem Blick auf die Uhr die Unpünktlichkeit der Engländer beklagte. Sie kamen eine halbe Stunde zu spät und das ungeduldige Gemurmel wurde lauter, als sie neben einer Dolmetscherin in weißer Uniform Platz nahmen, die das Gebaren einer psychiatrischen Krankenschwester hatte.

Die Fragen ließen sich voraussehen, hauptsächlich über Hintergründe und Einflüsse. Palmer war freundlich und jungenhaft, Lake ernst wie üblich, geläufig und überlegt antwortend. während Emerson, der solche Auftritte offensichtlich gar nicht mag, sich mit unverschämten Antworten vor einem Eindringen in seine Privatsphäre zu schützen versuchte.

Seine witzigen Antworten wurden allerdings von der Dolmetscherin offensichtlich völlig verändert, denn die Reporter notierten sie ohne den Schatten eines Lächelns.
Imitierte Goldene Schallplatten wurden den drei Musikern präsentiert, um den Verkauf von 50.000 Pictures-Platten in Japan zu feiern. (internationaler Verkauf: Fast eine Million). Mit höflichem Applaus wurde die Konferenz beendet.

Udo war begeistert. "Fabelhaft", sagte er, "das war die größte Pressekonferenz, die ich je gesehen habe. Das gibt jede Menge Publicity. Noch was: Rita, der Taifun hat nach Norden abgedreht. Geht weit an Tokio vorbei. Das ist offiziell. Alles okay für heute Abend."

Der Musikkritiker von Asahi Shinibun. Japans einflussreichster Zeitung. war weniger begeistert von der Konferenz. "Es war O.K.", sagte er, "aber nichts Besonderes. Drittklassige Sache, eher viertklassig . Sie hätten die Andy-Williams-Konferenz sehen sollen.

Keith Emerson: "Krieg bringt bei den Leuten ihre besten Qualitäten hervor"

Nun waren es noch 48 Stunden bis zum Konzert und die Musiker begannen mit den Vorbereitungen. Abends trafen sie sich in einem unbenutzten Fernseh-Studio, um den Anfang eines Stückes zu proben, das ihnen in der Vergangenheit einige Schwierigkeiten gemacht hatte. ein schnelles, präzises Arrangement von Piano, Orgel und Bassgitarre, wobei die Instrumente mal synchron, mal gegeneinander spielen, wie bei einer lebhaften Unterhaltung.

Schließlich gab sich Emerson zufrieden und fuhr zu einem späten Essen mit ein paar Freunden ins Hotel zurück. Er bestellte Shrimps, Käse, Biskuits und einen "Brandy Alexander" und aß schweigsam. Er ist ein zurückhaltender, stets höflicher junger Mann, der auf der Bühne eine Persönlichkeitsveränderung zeigt, die fast schizophren ist.

Emerson lebt für seine Musik, hat aber ein ebenso tiefes Interesse an Gewalttätigkeit. Er erzählte mir von einem Buch über die Erlebnisse eines deutschen Stuka-Piloten. "Dieser Typ", sagte er mit seiner schnellen leisen Stimme, wurde abgeschossen, klar? Halbtot kletterte er aus dem Flugzeugwrack mit Gehirnerschütterung und schweren Verletzungen. Aber irgendwie kam er zurück zu seinem Heimatflughafen, schnappte sich eine nette Stuka und flog los. Er flog wieder zum Schlachtfeld. fand den Panzer, der ihn abgeschossen hatte und griff' ihn an Sturzflug an. Und das in seinem Zustand!

So was erreicht der Krieg bei den Leuten. Ich meine, er bringt ihre besten Qualitäten hervor und ein großartiges Zusammengehörigkeitsgefühl. Es ist wie auf Popfestivals. Wenn man in Pocano oder der Isle of Wight spielt, fühlt man das gleiche. Es bringt Eigenschaften in Leuten hervor, von denen sie vorher keine Ahnung hatten. Es ist ein großes Gefühl. Können wir wohl den Kellner holen?" sagte er dann, "und noch mehr Käse bestellen? Französischen, wenn er hat. Ich bin hungrig."

Teil 4: Mit Whisky und Schraubenzieher

Teil 1: Ein Pornofilm namens Schneewittchen
Teil 2: A-Bad oder B-Bad?
Teil 4: Mit Whisky und Schraubenzieher
Teil 5: Mit dem Moog in den U-Boot-Krieg

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