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EMERSON, LAKE & PALMER  — ELP in Japan

ELP in Japan

ELP "BIG IN JAPAN"

Bericht im Musikmagazin SOUNDS vom Februar 1973

von Alexander Frater

über die Japan-Tournee von
Emerson, Lake & Palmer

Konzertstationen:
22. Juli 1972: Kourakuen Stadion, Tokio
24. Juli 1972: Koshien Stadion, Osaka

Im Sommer 1972 rüsteten Emerson, Lake & Palmer zu ihrer ersten Fernost-Reise, um zwei Konzerte in Tokio und Osaka zu spielen, Die Tour war von einigen Komplikationen begleitet und bei den Konzerten machten den drei Herren besonders das Wetter zu schaffen.

Monate später berichtete das deutsche Musikmagazin SOUNDS über das Japan-Abenteuer. Es ist einer der besten und ausführlichsten Artikel, die wohl jemals in Deutschland über Emerson, Lake & Palmer erschienen sind. Er gibt einige interessante und aufschlussreiche Einblicke in die Mechanismen des Musik-Business und über die Eigenarten von Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer. Weil der Artikel von Alexander Frater sehr umfangreich ist, wird er auf der ELP-History-Website als eigene Rubrik in regelmäßigen Abständen als spannende Fortsetzunggeschichte veröffentlicht. Viel Vergnügen mit

TEIL 1: Ein Pornofilm namens Schneewittchen

Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer, drei der dicksten Fische der Popmusikszene gingen mal wieder auf Tournee. Erste Station war Japan, der zweitgrößte Plattenmarkt der Welt.

Kurz nach vier Uhr nachmittags bekam die von Japan Airlines gecharterte DC 8 Starterlaubnis von Healbrow. Minuten später kletterte sie durch den diffusen, undurchdringlichen Dunst eines englischen Sommernachmittags. Neben sieben Tonnen Musikinstrumente und Ausrüstung waren nur sechzehn Passagiere an Bord. Drei von ihnen stellten auf dem unbeständigen Markt menschlicher Fertigkeiten zurzeit einen beträchtlichen Wert dar: Der Erste ein ehemaliger Angestellter der Hove Bank, gefeuert wegen Unfähigkeit. Der Zweite einstiger Liftboy in verschiedenen Londoner Kaufhäusern. Der Dritte Profidrummer seit seiner Schulzeit, damit einem Rat seines Vaters folgend, resignierend erkannt hatte, dass sein Sohn nur mit diesem einzigen Talent auf die Welt gekommen war, was blieb ihm da anderes übrig?

Wie ein mittelalterlicher Hofstaat

Heute, ist jedes Knöchelchen ihrer dreißig Finger bei Lloyds für Unsummen versichert und wenn sie reisen, bewegen sie, sich wie ein mittelalterlicher Hofstaat fort, drei Kronprinzen mit einem Dutzend loyaler Diener, die sie diensteifrig umspringen. Emerson, Lake und Palmer. Ihre Musik, gefiltert durch eine Batterie von Pianos, Schlaginstrumenten, elektrischen Orgeln und einem Moog-Synthesizer, der auf alle Arten von Geräusch programmiert werden kann - eine hochindividuelle Musik, schlägt in Europa und einem Gutteil von Amerika beachtliche Wellen.

Jetzt wurde dieser Sound live auf den neuen und unglaublich lukrativen japanischen Markt exportiert, der als zweitgrößter Plattenmarkt der Welt, dicht hinter Amerika, zu einer unerlässlichen Station auf dem internationalen Tourneenkarussell geworden ist.

Emerson, Lake, und Palmer sollten nach Monaten der Planung zwei Konzerte geben; ein großes in Tokio, ein kleineres in Osaka. Ihr erster Versuch die Festung im Sturm zu nehmen. Ein Unternehmen, dessen Ausgang absolut noch nicht feststand.

Die Resonanz bei ihren Auftritten ist sehr extrem, entweder man liebt sie oder man hasst sie. Die New York Times zum Beispiel veröffentlicht unweigerlich feindselige Kritiken, räumt ihnen aber soviel Raum ein, dass es an sich schon Zeichen eines wenn auch perversen - Respekts ist. In England wurden Emerson, Lake und Palmer schon wiederholt von den Lesern des Melody Maker, zu Topinterpreten in ihrem Bereich gewählt; und sie wurden noch vor den Rolling Stones - als beste internationale Gruppe genannt. Ihre Konzerte in England sind immer ausverkauft. Aber wie würde sich der Orient verhalten? Zwar kamen ihre Platten auf der Ginza gut an, aber Live-Vorstellungen sind doch einige Schuhnummern größer und ein kleines, aber deutlich fühlbares Fragezeichen hing in der Luft, ebenso eine gewisse Gespanntheit.

Die Musiker hatten einen Projektor und einen Pornofilm namens "Schneewittchen und die sieben Zwerge" mitgebracht, von Emerson mit dem Ton des ursprünglichen Walt-Disney-Filmes unterlegt, aber der Pilot hatte ihnen verboten, den Projektor anzuschließen, vermutlich mit dem Argument, er könnte einen Kurzschluss im Bordsystem verursachen. So hatten sich die Passagiere damit abgefunden, dass es kein Unterhaltungsprogramm während des Fluges geben würde, dösten, spielten Schach, lasen oder zogen sich in das leere Abteil der Touristenklasse zurück, um die Zeit auf ihre Weise zu verbringen. ihr Durchschnittsalter, von mir selbst einmal abgesehen, lag bei dreiundzwanzig. Neben den drei Musikern bestand die Gruppe aus einem Public-Relations-Mann, dem Manager, dem Road Manager, seinem Assistenten, einem Fotografen, einem Journalisten von einer Musikzeitschrift und den sieben Roadies.

Die Söldner des Musikgeschäfts

Die Roadies sind die gedungenen Söldner des Musikgeschäfts, ein zäher, unabhängiger Schlag, dessen Aufgabe es ist, für die Ausrüstung zu sorgen., sie für die Konzerte aufzubauen und ihren drei Herren alle Wünsche von den Augen abzulesen. Die Hierarchie der Roadies ist so starr und unveränderlich, wie die einer kaiserlichen Leibgarde. Angeführt werden sie vom Chefroadie, einem Pfarrerssohn namens Vic, und was Vic sagt, ist Gesetz. Darüber hinaus hat jeder Musiker seinen eigenen Roadie, der Fachmann für das Instrument ist, das sein Chef spielt. Zusammen mit ihnen arbeitet der Mixer: Beim Konzert sitzt er an einem komplizierten Kontrollpult und steuert die Lautsprecher aus.

Schließlich gibt es noch zwei Spediteure, massive tätowierte Burschen mit Händen wie Schaufeln. Offiziell sind sie dazu da, schweres Gerät zu transportieren, inoffiziell bekleiden sie eine Art paramilitärisches Amt: Wenn die Fans die Bühne stürmen, werden sie von den auf ihre Sitze zurückkatapultiert. Ihre Namen sind Robert Kelly und Bob Pope und sie gelten als die besten Trucker weit und breit.

Einige Stunden Flugzeit später taucht der Fudschi, geformt wie ein Ameisenhügel über dem dunstigen Horizont auf, rosa wie eine Eistorte in der sinkenden Sonne. Bei der Ankunft, von ELP in Japan gibt es einige unangenehme Momente. Nach dem Schlangestehen für Zoll und Grenzkontrolle - der einzigen Gelegenheit während des ganzen Aufenthaltes, wo man vornherein erwartete, dass sie sich wie simple Sterbliche verhielten - wurden sie von einem kreischenden, drängelnden Mob von halbwüchsigen Fans empfangen, der gegen den Scheinwiderstand einiger Flughafenpolizisten die Musiker einkesselte, ergriffen schluchzte und nach Amuletten und Schmuck grabschte.

Millionen Japaner wussten nun, dass ELP angekommen waren

Die Engländer wirkten erstaunt, fast ärgerlich, sie sind ruhige Leute und mit Gewalttätigkeit wollen sie nichts zu tun haben. Die Demonstration, halb spontan, halb von den japanischen Promotern, die müde aber triumphierend danebenstanden, inszeniert, erfüllte jedoch ihren Zweck. Am Abend wurde der Auflauf als wichtige Neuigkeit auf zwei Fernsehkanälen gebracht, und am nächsten Morgen veröffentlichten drei Tokioter Zeitungen die Geschichte mit Bildern. Millionen Japaner wussten nun, dass ELP angekommen waren. Die fieberhafte, letzte Vorbereitungsphase für das große Konzert in Tokio hatte begonnen,

Im Hilton ging mittlerweile alles daneben. Nach einer Fahrt in die riesige gestaltlose Stadt mit einer Bevölkerung größer als die Australiens, hatten sie das Hotel betreten und sofort verkündet, sie zögen wieder aus; das Hilton mit seiner Atmosphäre von American Way of Life entsprach absolut nicht dem Japan, das sie sehen wollten. An diesem Punkt nahm sie ein hochgewachsener, gewandter und einnehmender Mann namens Tots Nagashima unter seine Fittiche. Nagashima, der die Kriegsjahre in London verbracht hatte, ist, ein wohlhabender Musikverleger, der sich mit Künstlern auskennt und weiß, wie man mit ihren Temperamentsausbrüchen umgeht. Er führte sie in die Bar, ließ einen guten Whisky servieren und redete mit leiser Stimme auf sie ein.


Teil 2: A-Bad oder B-Bad?
Teil 3: Jesus Christus und die 12 Roadies
Teil 4: Mit Whisky und Schraubenzieher
Teil 5: Mit dem Moog in den U-Boot-Krieg

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