Teil 2: Schiffbruch am Liebesstrand
Als sich Emerson, Lake & Palmer nach einer zweieinhalbjährigen
Ruhepause im Frühjahr 1977 mit dem aufwendig gestalteten Doppelalbum
Works Volume 1 zurückmeldeten,
war der so genannte "Symphonic-Rock", mit dem die Band
assoziiert wurde, bei Kritikern und einer wachsenden Anzahl von
Hörern bereits in Mißkredit geraten.
Bands wie Pink Floyd, Yes und ELP befanden sich im Visier der
seit dem Jahre 1976 immer stärker werdenden Punk- und New Wave-Bewegung.
Journalisten warfen ELP wiederholt vor, durch bombastische Shows
und überambitionierte Musik den Kontakt zum Publikum zu verlieren.
Das erfolgsverwöhnte Trio gab sich von den Vorwürfen unbeeindruckt
und setzten ihrer Bombastattitüde vielmehr die Krone auf: Die
Kompositionen auf Works Vol. 1
wurden fast durchweg von einem Sinfonieorchester begleitet. Works
Vol. 1 war allerdings weniger ein Bandprodukt als vielmehr eine
Zusammenfassung der solistischen Aktivitäten von Emerson, Lake
& Palmer, die eigentlich für die angekündigten, aber
bis dato nicht erschienenen Soloprojekte gedacht waren.
Works Vol. 1 war auf der einen
Seite ein durchaus bemerkenswerter Versuch, dem Gruppensound neue
Impulse zu verleihen. Andererseits wirkte die Band nach der mehrjährigen
Pause etwas orientierungslos. Die Kritiken zum Album fielen verhalten
bis vernichtend aus. Die Fans wandten sich aufgrund der unerwarteten
Musikmixtur allmählich ab. Works
Vol. 1 erreichte nicht mehr die Spitze der internationalen Verkaufscharts,
sondern blieb in Großbritannien auf einen enttäuschenden
Platz 9 stecken.
ELP sah sich mit einem veränderten Publikumsgeschmack konfrontiert,
der ihnen langsam das Wasser abzugraben drohte - obwohl ihnen mit
"Fanfare The Common Man" erstmals in Großbritannien
ein Top-10-Hit (Platz 2 am 16. Juli 1977 Quelle: Chartstats)
glückte, der auch das Album noch einmal in die Top-20-Region
bugsierte.

Auch Emersons Orgeleskapaden konnten den Absturz von ELP nicht
mehr stoppen. (Foto: Richard Kneubühler)
Dennoch rüstete das Trio erneut zu einer gigantischen Welttournee.
Als erste Rockband nahmen sie ein 70-köpfiges Orchester plus
Chor mit auf die Reise, um den sinfonischen Charakter des Works-Albums
auch auf der Konzertbühne zu ermöglichen. Der Kostenaufwand
mit 63 Roadies und 250 Tonnen Equipment, das mit acht Sattelschleppern
durch die USA kutschiert wurde, war enorm. Vor dem ersten Konzert
am 24. Mai 1977 in Louisvolle, Kentucky waren schon eine Million
Dollar in das riskante Unternehmen investiert worden.
Dabei schlugen auch die persönlichen Extravaganzen der drei
Herren zu Buche: Emerson nahm kistenweise teuren Champagner und
exklusiven Burgunderwein mit auf Reisen, Lake leistete sich einen
eigenen Luxusbus mit allen Extras und Palmer nahm die Dienste eines
persönlichen Karatetrainers in Anspruch.
Die Show wurde zunächst von der Presse enthusiastisch gelobt.
Die NEW YORK TIMES schrieb vom "lautesten, aber auch klangschönsten
Symphonieorchester der Welt" und die LA-PRESSE aus Montreal
schwärmte: "Wenn sie aus diesem Konzert herauskommen,
werden Sie kein Wort mehr über Pink Floyd verlieren."
Drei Konzertabsagen in Tampa, Cleveland und Pittsburg, die hohen
Kosten und eine teilweise bescheidene Besucherresonanz während
der US-Tournee brachten ELP, die viel von ihrem Privatvermögen
investiert hatten, aber schnell in finanzielle Schwierigkeiten.
Die Konzerttermine musste schließlich radikal zusammengestrichen
werden.

Letzte Funken aus dem Ribbon Controller. (Foto: Kent Crantwell)
Um die hohen Kosten zu minimieren und die immensen Schulden abzutragen,
setzte ELP die Tournee ab Mitte Juni zumeist als Trio fort. Geplante
Konzerte in Asien und Europa wurden nicht mehr verwirklicht. Die
im November 1977 veröffentlichte Platte Works
Volume 2 mutete wie eine Resteverwertung an und floppte fürchterlich.
Die einstige Supergruppe der siebziger Jahre verschwand in Rekordzeit
aus dem öffentlichen Interesse. ELP galten in den Zeiten von
Punk und "Saturday Night Fever" als musikalischer Anachronismus.
Noch gab sich das Triumvirat aber nicht geschlagen. Im November
1978 veröffentlichten das Trio auf Druck der Plattenfirma das
Album Love Beach.
Doch die Drei hatte sich am Aufnahmeort Nassau auf den Bahamas
völlig zerstritten und nahmen Teile des Albums separat auf.
Love Beach entpuppte sich kommerziell
als völliger Mißerfolg. Von Öffentlichkeit und Presse
kaum wahrgenommen, trennte sich das Trio dann Ende 1979 offiziell,
allerdings nicht ohne den miserablen Konzertmitschnitt ihrer 1977/78er-Tour
namens In Concert auf den Markt
zu werfen. Wolfgang Bauduin bezeichnete diese Platte im MUSIK-EXPRESS
sarkastisch als musikalischen "Aprilscherz". In nur zwei
Jahren war aus dem einst schlagzeilenträchtigen Namen "Emerson,
Lake & Palmer" eine Randnotiz geworden.
Fortsetzung
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