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EMERSON, LAKE & PALMER — Kurzbiografie 1970-74

1970-1974
1977-1979
ELP-Bio 1970-1998
Besetzung: Allgemeine Fakten:
Keith Emerson: Keyboards, Synthesizer  
Greg Lake: Bass, Gitarre, Gesang, Harmonika Gegründet: 1970
Carl Palmer: Drums. Perkussion Aufgelöst: zwischen 1979-1991, seit 1998

Teil 1: Blitzgeburt einer Supergruppe

Emerson, Lake & Palmer gehörten bei ihrer Gründung zu den wenigen Bands, deren Mitglieder bereits eine musikalische Reputation vorweisen konnten. Keyboarder Keith Emerson feierte bereits ab 1968 mit dem Klassik-Rock-Trio The Nice internationale Erfolge. Greg Lake hatte als Sänger und Bassist mit King Crimson die britischen Album-Top-Ten gestürmt.

Als sich die beiden Musiker mit ihren Bands bei einem gemeinsamen Konzert von Nice und King Crimson am 10. Dezember 1969 im Fillmore West in San Francisco erstmals trafen, waren sie zu diesem Zeitpunkt mit ihrer musikalischen Situation dennoch unzufrieden. Emerson fühlte sich bei The Nice von seinen Mitmusikern Lee Jackson und Brian Davison unterfordert, Lake lag im ständigen Streit mit Crimson-Boss Robert Fripp.

Die beiden ausgeprägten Individualisten kamen hinter der Bühne miteinander ins Gespräch. Obwohl Emerson nach eigenen Aussagen schon damals eine gewisse Aversion gegen Lakes leicht überheblich wirkende Art verspürte, vereinbarten beide, in Kontakt zu bleiben. Zurück in England, beschlossen sie die Gründung einer neuen Band. Hierfür benötigten sie jedoch noch einen Schlagzeuger. Erste Versuche mit dem Jimi Hendrix-Drummer-Mitch Mitchell fruchteten aber nicht.

Nachdem Keith Emerson das Debüt-Album von Atomic Rooster hörte, war mit dem erst 19-jährigen Drummer Carl Palmer ein neuer Name im Gespräch. Palmer reagierte jedoch skeptisch auf das Angebot , weil er Atomic Rooster eigentlich nicht verlassen wollte .

Nach einigen Proben und Überredungskünsten von Emerson und Lake entschloss sich Palmer dann doch, in das geplante Projekt einzusteigen. Einem ersten Konzert in kleinerem Rahmen am 23. August 1970 in der Guildhall in Plymouth folgte sechs Tage später die Teilnahme am berühmten "Isle Of Wight-Festival", bei dem das Trio mit einer extravaganten Performance für Aufsehen sorgte.

Nachdem Emerson und Lake das Konzert mit Böllerschüssen aus zwei antiken Kanonen beendeten, hinterließ die Band ein enthusiastisches Publikum. "Am Tag nach unserem Auftritt waren wir weltweit bekannt", erinnert sich Greg Lake. Doch die ersten Kritiker spitzten dennoch nach dem "Über-Nacht-Erfolg" von ELP bereits ihre giftige Feder. Der berühmte Radio-DJ John Peel bezeichnete die Performance als "tragische Verschwendung von Talent und Elektrizität". Im November 1970 folgte das schlicht betitelte Plattendebüt namens Emerson, Lake & Palmer.

Top-Ten-Platzierungen des Debütalbums, spektakuläre Konzerte mit einem Keith Emerson, der seine Orgel mit Messern traktierte sowie die Hit-Single "Lucky Man" sorgten für einen rasch wachsenden Bekanntheitsgrad. Mit dem nachfolgenden Album Tarkus, dass im Juli 1971 auf den Markt kam, etablierte sich die Band endgültig als so genannte "Supergroup". Tarkus wurde zum weltweiten Bestseller und alle drei Mitglieder gewannen die Musikerpolls in fast allen Kategorien. "Emerson, Lake & Palmer und ihr Bombastsound setzten sich 1971 weltweit durch" schrieb Jahre später der MUSIK-EXPRESS.

ELP in Concert im Mai 1974 in Wetzikon/Zürich.
"ELP in Concert" am 20. Mai 1974 im Hallenstadion/Zürich. (Foto: Richard Kneubühler)

Gleichzeitig hatte das Trio mit seiner Bearbeitung von Mussorgskys Pictures At  An Exhibition bereits einen furiosen Konzerthöhepunkt im Programm, der noch im gleichen Jahr, nur wenige Monate nach Tarkus, als Live-Mitschnitt veröffentlicht wurde. Auch dieses Album stürmte weltweit die Charts und wurde für einen Grammy nominiert. Obwohl von einigen Kritikern als größenwahnsinnige "Pop-Karajans" (SOUNDS) gescholten, wurde die Band vom Rockpublikum begeistert gefeiert. Durch die Klassik-Rock-Kombination von Pictures At  an Exhibition ernteten ELP auch die Akzeptanz bei Anhängern der sogenannten E-Musik.

Das im Juni 1972 veröffentlichte Album Trilogy erweiterte den ohnehin schon hohen musikalischen Standard der Band. Das Album präsentierte ein großes musikalisches Spektrum von Klassik über Country bis hin zu Rock und Ragtime. Allerdings waren einige Stücke so komplex ausgefallen, daß sie auf der Bühne kaum noch reproduzierbar waren.

Einige Kritiker warfen der Band bereits "Überperfektionismus" vor, andere Journalisten entwickelten eher ambivalente Gefühle. "Vor der Musik von ELP hat man Respekt, aber man empfindet keine wirkliche Sympathie für sie", schrieb SOUNDS-Kritiker Hans-Jürgen Günther über Trilogy. Die Fans sahen das ganz anders: Emerson, Lake & Palmer konnten ihre Konzerte mittlerweile in Fußballstadien absolvieren. Als erste Popband entwickelten sie zudem ein eigenes Bühnenset, um mit Licht und Effekten den dramaturgischen Aspekt ihrer Musik auch visuell zu unterstützen.

Carl Palmer
Gigantische Videoprojektionen zählten 1974 zum ELP-Standard. (Foto: Richard Kneubühler)

Während ihrer aufwendigen Konzerttournee unter dem Motto "Get Me A Ladder", die das Trio im Jahre 1973 durch ganz Europa führte, arbeiteten ELP parallel an ihrem neuen Studioalbum, das im November 1973 unter dem Titel Brain Salad Surgery veröffentlicht wurde.

Mit dieser Platte, die in einem vom Schweizer Maler H. R. Giger ("Alien") aufwendig entworfenen Cover steckte, erreichten ELP ein Höchstmaß an Studiogigantomie. Der erste polyphone Synthesizerprototyp, Sprachcomputer und elektronische Perkussion sorgten für eine futuristisch anmutende Musik, die sowohl künstlerisch als auch kommerziell ein voller Erfolg war.

Eine erneut aufwendige Welttournee mit technischen Spielereien wie Quadrofonie, Laserstrahlgewitter, Explosionen, Dia-Shows, einem rotierenden Drumset sowie einem Flügel, der Purzelbäume schlug, machten ELP-Konzerte zu den einem Multimedia-Erlebnis. Nach ihrem vorläufigen Abschlußkonzert am 24. August 1974 im New Yorker Central Park beschloss das Trio eine längere Pause einzulegen.

Mit der Dreier Live-LP Welcome Back My Friends To The Show That Never Ends — Ladies And Gentlemen
legten ELP ein eindrucksvolles Klangdokument ihrer Show vor. Die Platte gelangte als erstes Dreieralbum in die amerikanischen Top-Ten-Charts. Mit dem ein Jahr zuvor von der Band gegründeten Label "Manticore" sollten zudem junge Nachwuchskünstler gefördert werden. Doch das ehrgeizige Vorhaben verlief trotz mehrerer Veröffentlichungen (Peter Sinfield, PFM und Salty Dog) spätestens im Jahre 1977 im Sande.

Ab dem Jahre 1975 herrschte gespenstische Ruhe um das Trio. Nur Greg Lake sorgte im Dezember des selben Jahres mit seiner Weihnachtssingle "I Believe in Father Christas" für Furore und Platz 2 in der englischen Hitparade. Ein Jahr später schaffte Keith Emerson mit einer Version von Meade Lux Lewis´ "Hong Tonk Train Blues" in Großbritannien immerhin Platz 21.

Carl Palmer produzierte derweil das Album "Activity" der Gruppe Back Door und studierte sich auf seinem Steuerexil in Teneriffa Karate und der klassische Perkussion.

Fortsetzung

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