Konzertstationen:
22. Juli 1972: Kourakuen Stadion, Tokio
24. Juli 1972: Koshien Stadion, Osaka
TEIL 4: Mit Whisky und Schraubenzieher
Stewart Young, der Business Manager, machte gerade seine
Rechnung auf: Kosten für die JAL Charter: 8400 Dollar,
Kosten für weitere Fracht und Inlandreisen: 4000 Dollar,
Hotelkosten und generelle Ausgaben: 6000 Dollar Reisekosten
von Japan in den USA: 5600 Euro, Gesamt: 24.000 Dollar.
Auf der Haben-Seite bekamen sie von Udo 22.000 Dollar Honorar,
aber 20 Prozent davon geht an Agent und Manager; das ergibt
einen Gesamtverlust von 6400 Dollar, aber es schien Young
nicht zu stören. "Wenn man es zusammen mit den Plattenverkäufen
sieht" sagte er, "sind wir im Plus.
"Wir können nicht verlieren"
"Aufgrund unserer Tournee wird TRILOGY in Japan Nummer
eins werden. Wir werden sechzigtausend Platten mehr verkaufen
als sonst, das bedeutet noch mal 15.000 Dollar; zusätzlich
die Veröffentlichungsrechte, und wenn wir das nächste
Mal kommen, werden wir vor vollen Häusern spielen. Dieser
Besuch ist eine Investition und wird sich ziemlich schnell
auszahlen, ganz zwangsläufig. Wir können nicht verlieren."
Am Tage vor dein Konzert kam Udo ziemlich erschüttert
ins Hilton. "Könnt ihr glauben, dass schon wieder
ein Taifun kommt? " sagte er mit niedergeschlagener Stimme.
Taifun Tess kommt auf Tokio zu und soll morgen Nachmittag
hier sein. Bis jetzt habe ich nur 23.000 Plätze verkauft,
denn wer zahlt schon gute Yen, um bei einem Hurrikan bei Windstärke
7 harten Rock zu hören?".
Auch die Musiker machten sich Sorgen, aber hauptsächlich
wegen Emersons Moog-Synthesizer, der schon an feuchten Tagen
Kurzschlüsse bekommt, ganz zu schweigen von tropischen
Stürmen in einem offenen Stadion. Das Problem wurde den
Roadies zugeleitet, die es lösen sollten.
Emerson, Lake und Palmer gerieten in Aufregung, weniger wegen
des bevorstehenden Konzerts, als wegen der Ankunft Dee Anthonys
aus New York. Dee Anthony (Fotos
mit Emerson, Lake & Palmer) ist ihr Manager, ein überschwänglicher
Amerikaner italienischer Herkunft mit einer Mähne weißen
Haares und einem gestutzten, weißen Bart.
Er sollte, begleitet von seinem Vater, um fünf Uhr nachmittags
eintreffen. In der Zwischenzeit liefen die letzten Vorbereitungen
für das Konzert, inklusive Postierung von Leibwächtern,
Ich bekam zwei von einem amerikanischen Rennfahrer versprochen,
der sich der Gruppe als eine Art Vermittler angeschlossen
hatte und der auf Verlangen von Mädchen bis Rauschgift
alles besorgen könnte.
"Ich habe Ihnen zwei Karatekämpfer mit schwarzem
Gürtel besorgt", sagte er zu mir, "einer ist
Amerikaner, der andere aus Neuseeland. Er hat sich auf Tret-Boxen
spezialisiert. Er springt einfach hoch und bricht den Leuten
den Kiefer mit seinen Füßen. Beide sind begeistert,
wenn sie Leute niederschlagen können, also wird es keine
Schwierigkeiten geben, wenn die Fans Amok laufen. Er stellte
mich dem Amerikaner vor, einem würdevollen, bebrillten
jungen Mann, der wie ein Jesuitennovize aussah und mich fragte,
ob ich an der Kriegskunst interessiert sei.
Als ich verneinte, sah er niedergeschlagen aus, und um ihn
aufzuheitern, erzählte ich ihm, dass ich einmal ein Londoner
Telefonbuch durchgerissen hätte, worauf er sagte, dass
jeder einmal klein angefangen hätte, oder so was ähnliches.
Jade aus Japan
Dee Anthony sah aus wie ein kleiner Satyr von Rubens gemalt.
An jedem Handgelenk trug er eine goldene Uhr, rechts New Yorker,
links Tokioter Zeit. Er stürzte zur Hoteltür herein,
begleitet von seinem Vater, Stewart Young und Tots.
"Greg Baby" schrie er Lake zu, der mit einem Bouquet
betauter Rosen in Cellophan auf ihn zulief. Sie umarmten sich.
"Von TRILOGY sind 183.000 allein an der Westküste
verkauft", sagte Anthony und umarmte Lake wie einen Sohn,
der gerade aus dem Krieg kommt. "Hallo Palmer" brüllte
er dem Drummer zu, der ebenfalls durch die Lobby gerannt kam.
Sie umarmten sich ebenfalls.
"TRILOGY hat an der Westküste 183.000 verkauft,
Baby." "Es wird nie eine Million
schaffen", sagte Lake. "Natürlich schafft es
eine Million" entgegnete Antony. "Wenn es jemals
ein Millionenalbum gab, dann ist es das."
"Wenn sie eine Million schafft, schenke ich dir einen
neuen Rolls-Royce, sagte Lake.
"Ich habe schon einen Rolls-Royce. Steve Marriott hat
mir letztes Jahr einen geschenkt, perlgrau, automatische Fenster,
elektrische Sitze. "Könntest Du nicht
noch einen gebrauchen?" "Ich glaub
schon, aber bitte nicht perlgrau, Wo ist Tots? Tots, Baby,
ich möchte Jade kaufen! Wie Du weißt, bin ich nicht
gerade arm und ich möchte wirklich tolle Jade, sehr viel
davon und sehr alte und kostbare und Du sollst mir dabei helfen."
Nagashima schaute etwas unbehaglich drein. "Hm, Jade
Dee? - "Genau Tots, Jade, Und mein alter Vater hier möchte
ein japanisches Bad." Sein alter Vater zwinkerte uns
zu. "Ich habe gehört, Tokio ist eine Stadt für
Männer", sagte er. Nagashima sagte: "Dee, man
kauft keine Jade in Japan. Jade kauft man in China, Jade ist
chinesisch, Dee." Anthony starrte ihn an. Jesus Christus",
sagte er mit offenem Mund. "Hast du gehört, Vater,
für Jade müssen wir nach China fahren."
"Ich könnte vorher ein Bad gebrauchen
Dee", sagte sein Vater. "Etwas mehr Selbstbeherrschung,
bitte", sagte Anthony streng,
Am Morgen des Konzerttages war der Himmel bezogen, schwere
warme Regenschauer und scharfe Windstöße ließen
die winzigen Glöckchen in den Gärten Tokios klingeln.
In der Mitte des Stadions war am vergangenen Abend die Bühne
aufgebaut worden und die Roadies hatten ein Plastikdach darüber
gezogen, um Instrumente und Musiker halbwegs trocken zu halten.
Tausend Ordner bezogen Posten und um fünf Uhr nachmittags
bestieg die erste Gruppe, die Free, angeführt von einem
schmächtigen. einsilbigen Amerikaner, der darauf bestand,
mit Rabbit angeredet zu werden, die Plattform und begann mit
ihrer Eröffnungsnummer, während eine Wolke von bunten
Luftballons in den drohenden, sturmgepeitschten Himmel aufstieg.
Die äußeren Umstände waren furchtbar: Der
Regen schlug der Gruppe ins Gesicht, durchtränkte Rabbits
Klavier und bewirkte, dass der Bassgitarrist ununterbrochen
elektrische Schläge bekam, Seine Schmerzensschreie verliehen
den Texten, die er sang, emphatischen Nachdruck und die Menge
reagierte fröhlich, trampelte mit den Füßen
und schunkelte.
Wie ein Löwe im Käfig
Unter der Tribüne im Special Room bereiteten sich Emerson,
Lake und Palmer vor. Emersons Synthesizer gab infolge der
Feuchtigkeit einen ständigen Strom falscher Töne
von sich. Mit einem besorgten Gesichtsausdruck legte Keith
den Schraubenzieher beiseite und rief in Kalifornien an, um
Bob Moog, den Elektronikingenieur, der das Instrument gebaut
hatte, um Rat zu fragen, aber Moog war nicht zu erreichen,
so dass Emerson sich von Wordsworth einen Whisky bringen ließ
und versuchte, das Instrument selbst zu reparieren.
Carl Palmer lief mit nacktem Oberkörper im Raum umher
und trommelte mit seinen Stöcken auf jede erreichbare
Oberfläche. "Mann, ich bin wie ein Löwe im
Käfig" sagte er, "ich kann es einfach nicht
erwarten, raus zukommen." Relax, Palmer",
sagte Dee Anthony, kettenrauchend und blass vor Nervosität.
Palmer antwortete mit einem rasenden Wirbel auf einem, Sessel,
dann warf er die Stöcke weg und begann mit den Fingern
zu schnalzen. "Wussten Sie, dass ich mal mit Buddy Rich
gespielt habe?", fragte er mich, "er war bei Ronnie
Scott und eines Abends, gleich nach der Pause, verkündete
er plötzlich, Carl Palmer säße im Publikum,
ob er bitte mal auf die Bühne kommen könnte.
Ich konnte es nicht glauben, kein anderer Drummer hat jemals
für ihn gespielt und ich sagte: Du meinst Du willst,
dass ich spiele? Er sagte: Ich hab Dich nicht zum Haareschneiden
hoch gebeten und so spielte ich zwei Nummern. Die erste fand
die Band gar nicht gut, ich war ein Eindringling und keiner
schaute zu mir rüber, aber als wir die zweite anfingen,
lächelten sie und wir fingen an zu swingen, während
Buddy Rich daneben stand und mit dem Fuß den Takt schlug.
Es war ein phantastisches Erlebnis. Ich betete den Jungen
an, seit ich klein war. Ich wünschte, mein Vater wäre
dabei gewesen. Er hätte sicher geweint."